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Kolumne 3 - Gedanken zum Reformationstag

Am 31. Oktober ist wieder Reformationstag. Dieses Jahr größer als sonst gefeiert, Luther, wohin man hört, denn der Reformationstag jährt sich zum fünfhundertstenmal.

Die Bedeutung des Tages ist den meisten leider gar nicht mehr geläufig. Das nach außen hin bekannteste Merkmal des Reformationstages sind Kürbisse und abendlich marodierende Kinderbanden auf Raubzügen nach Süßkram.

Aber wem oder was gedenken wir da tatsächlich?

Dem Reformhaus? Nicht ganz, auf fünfhundert Jahre bringt es das noch nicht und in unserer Stadt hat es unlängst sogar geschlossen.
Den Harz IV Reformen? Sicher nicht, was sollte man da auch feiern?
Der Rentenreform? Ganz gewiß nicht, die hat ja nicht mal begonnen, wird am Ende aber sicher auch 500 Jahre brauchen.

Nein, wir gedenken dem großen Regulator, pardon Reformator, Martin Luther.

Luther, war das nicht der amerikanische Bürgerrechtler, fragen Sie sich?

Nah dran, denn um Politik ging es auch beim hiesigen Luther. So hat er am 31. Oktober 1517 in Wittenberg seinen Terroranschlag, pardon Thesenanschlag begangen und seine 95 Thesen zur Kirche veröffentlicht. Der katholischen Kirche musste es in der Tat wie Terror vorkommen, denn Luther forderte nicht weniger als den Boykott des vatikanischen Ablasshandels - das vermutlich erste Embargo der Welt - sowie die Aufhebung der Unfehlbarket des Papstes. Da hatte der Vatikan bei der Frage "Süßes oder Saures"? wohl die falsche Antwort gegeben.

Letztlich mündeten seine 95 Thesen in nicht weniger als der Forderung nach einer kirchlichen Alternative für Deutschland. Ein Wutbürger der ersten Stunde sozusagen.

Der Protest gegen die Kirche war auch wirklich dringend nötig, da viele Kirchenmänner seinerzeit hochgradig korrupt waren; ein Zustand, der heutzutage von Rom bis Limburg völlig undenkbar erscheint.

Seinerzeit war es übrigens noch üblich, seine Thesen nicht in die nächstbeste Altstadt zu brüllen, sondern gründlich auszuarbeiten, ja sogar fein säuberlich aufzuschreiben und an die erstbeste Kirchen - oder Unitür zu nageln - je nach eigenem Bildungsgrad vielleicht aber auch an die Wirtshaustür.

Mit der menschlichen Fehlbarkeit traf Luther übrigens ins Schwarze, denn seine eigenen Ansichten waren alles andere als unfehlbar. So wurde er mit zunehmenden Lebensalter immer aggressiver, forderte die Vernichtung der Juden, das Erschlagen aufständischer Bauern und tolerierte generell keine Andersdenkenden. Der Urvater von Pegida sozusagen.

Aber was hat das nun mit dem 31. Oktober heutiger Prägung zu tun? Ganz einfach:
Sankt Martin Luther war derjenige, der im Winter seine Süßigkeiten mit den Armen teilte.
Obendrein war er, was kaum noch bekannt ist, der Erfinder der ausgehöhlten Kürbislaterne.


Kolumne 2 - der Butz und die Panama-Papers

Kommen wir zur Rubrik Kinderbücher. Anders ausgedrückt: Oh wie schön ist Panama.

Die Panama Papers. Eigentlich müsste es ja Panama-Pampers heißen, denn irgendwer war da ja augenscheinlich undicht.
Um Steueroasen geht es da, in einem Land, das bislang nicht durch Oasen, aber durch seinen Kanal bekannt geworden ist.

Den, also den Kanal, haben aber viele noch nicht voll, ganz im Gegenteil, sie stecken ihre Kohle in Offshore-Firmen. Kennen Sie vielleicht aus der Nordsee, da fördern die Erdöl mit. Gut, in Panama fördern die Moneten - und das sogar ohne Plattform. Aber dafür mit Briefkasten.

Also ich finde ja, das ist kein Fall für die Finanzminister, nein, das ist eindeutig ein Fall für die Gewerbeaufsicht. Eine Firma in einem Briefkasten. Das ist doch viel zu dunkel. Kein Tageslicht - dabei ist das hier für Büros vorgeschrieben. Und auch viel zu eng. Ich hab´s gestern ausprobiert, mehr als die linke Armlehne meines Drehstuhls bekomme ich in meinen Briefkasten nicht rein. Von mir und meiner Wampe ganz zu schweigen. Aber vielleicht sind die in Panama ja auch viel, viel kleiner, zumindest in Janoschs Kinderbüchern scheint das ganz so.


Kolumne 1 - der Butz und der Thermomix

Es soll ja Leute geben, die trotz Gastronomie, Paläo-Küche, Kochshows und anderem modernem Schnickschnack immer noch ganz klassisch selber kochen.

Ganz klassisch? Nicht immer, denn immer öfter überlässt der moderne Mensch nicht nur das Denken, sondern auch das Kochen den Maschinen. Genaugenommen einer Maschine. Also einer ganz bestimmten Maschine.

Dem - Thermomix.

Eigentlich müsste das Ding ja Terrormix heißen, denn ansehen darf man sich den nur per Einladung zur Kochparty. Und genau damit terrorisieren die Halter dieser Wundermaschine ihren gesamten Bekanntenkreis, kaum haben Sie den Gegenwert eines Kurzurlaubs in einem Blecheimer mit Heizplatte investiert.

Arbeit soll er sparen, der Kochmixer. Nach einem einfachen Prinzip: Man wirft oben irgendwas rein - und unten kommt irgendwas raus. Oder so ähnlich. Immerhin kann er verschiedene Rezepturen. Nimmt man Schwein, Blumenkohl und Kartoffeln, zaubert einem die Wundermaschine einen guten Labskaus. Nimmt man dagegen Rinderfilet, Brechbohnen und Kartoffeln, beglückt einen die Höllenmaschine mit - richtig - Labskaus. Aber Nonkonformisten werden ebenfalls zufriedengestellt, denn mit Seezunge, Brokkoli und Kartoffeln kredenzt die Kochkiste dann italienischen - Labskaus.

Ehrlich gesagt, ich habe ja ernste Zweifel, ob eine Firma, die sich jahrzehntelang damit beschäftigt hat, Haare, Staubmilben und Wollmäuse in Papiersäcke zu pressen, der richtige Ansprechpartner für Kochutensilien ist?

Aber die Technik dahinter ist wirklich hochgradig innovativ, denn er stammt - aus dem Atomkraftwerksbau. Ja, wirklich. Früher, da stand das Ding noch in Kalkar und nannte sich selber "Schneller Brüter". Jetzt kommt er - leicht verkleinert und dezent umbenannt - in die Küchen.

Übrigens: Wie sein großes Vorbild kann auch der Terrormix explodieren und seine Umwelt unbewohnbar machen. So finden sich tatsächlich Zeitungsmeldungen darüber, dass das Ding, ordentlich mit Brennelementen - wie zum Beispiel einer Suppe - gefüllt, gerne mal in die Luft fliegt. Und das ohne Kühlkreislauf und sogar ohne Hilfe eines Tsunami. Da kann sich die Hausfrau mal ihren ganz persönlichen GAU zaubern. Obwohl, in der Küche heißt das dann wahrscheinlich KAU?